Der 1948 im jungen Osten Berlins geborene Peter Woelck hat bereits früh die erste Kamera in der Hand: im Alter von nur sieben Jahren schießt und entwickelt er seinen ersten Film. Und obwohl dieser erste Versuch an jugendlichem Leichtsinn scheitert – Woelck vergisst die Fixierung, die zum Trocknen auf der Leine hängenden Abzüge tropfen buchstäblich zu Boden – bleibt der junge Rebell bei seinem Hobby.
Innerhalb kürzester Zeit entwickelt Woelck eine Leidenschaft für den Blick durch den Sucher und absolviert eine fotochemische Ausbildung mit Abitur. Das darauffolgende Physik- und Mathematikstudium an der Universität Greifswald bricht er vorzeitig ab – denn es entspricht nicht seinen Vorstellungen. Lieber widmet sich der 20-jährige unter der Obhut des Berliner Fotografen Prof. A. Fischer der Portrait- und Reportagefotografie.
Auf Drängen der Eltern lässt er sich 1969 beim Deutschen Fernsehfunk zum ersten Kameraassistenten, beim Wehrdienst in der NVA zum Photogrammetriker ausbilden. Aber auch diese beiden Qualifikationen führen ihn nicht in die sozialistische Produktion: Woelck spürt trotz aller Leidenschaft und Ungeduld, dass seine Lehrjahre noch nicht vorüber sind. Persönlich stellt er sich deshalb 1972 dem Professor für Fotografie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, Heinz Föppel, vor, nachdem dieser die von ihm eingesandten Arbeiten bereits abgelehnt hatte. Woelck ist sicher, dass die Entscheidung ein Versehen gewesen sein musste. Als er dem Professor weitere Abzüge aus seinem bereits sehr umfangreichen Archiv zeigt, wird er sofort für das Studium zugelassen, das er fünf Jahre später mit dem Diplom abschließt.
Nach dem Studium erlebt Woelck den Durchbruch: Er fotografiert für Kulturämter, Zeitschriften und Verlage. Binden will er sich dennoch nicht, der künstlerische Aspekt seiner Fotografie ist ihm wichtiger als jede noch so lukrative Auftragsarbeit. 1981 kehrt Woelck nach Berlin zurück, arbeitet sporadisch mit Verlagen und Werbeagenturen zusammen. Seine Fotografien finden sich in immer zahlreicheren Ausstellungen.
Nach der Wende lässt sich Woelck noch einmal für kurze Zeit auf eine feste Tätigkeit als Kammermann beim OKB ein, doch der künstlerische Drang nach Freiheit zwingt ihn nach einem knappen Jahr erneut in die Selbständigkeit.
Bis heute konnte sich Woelck eine eigene, unabhängige Arbeitsweise und damit eine ganz persönliche Handschrift bewahren. Seine Stärke liegt zweifelsohne in der Fähigkeit, Atmosphären und Stimmungen einzufangen, ohne dabei künstlich in das Geschehen vor der Kamera einzugreifen. Er selbst sagt von sich, dass es ihm bei seiner Arbeit vor allem auf eine Spontanität und Natürlichkeit des Ganzen ankommt. Nur weil er selbst unabhängig ist, kann Woelck seinen Motiven ihre Freiheit lassen.


Was der Betrachter dadurch gewinnt sind ästhetische Erfahrungen von allerhöchster Qualität.